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BUND Naturschutz und LVÖ Bayern: Initiative BioRegio Bayern 2020 muss fortgesetzt werden

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BN-Vorsitzender Hubert Weiger, LVÖ-Geschäftsführerin Cordula Rutz, BN Referentin für Landwirtschaft Marion Ruppaner, LVÖ-Vorsitzender Josef Wetzstein

Mehrwert regionaler Bioerzeugung für die Umwelt

Boden- und Wasserschutz, mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft und die Vermeidung von Folgekosten für die Gesellschaft, z.B. durch den Verzicht auf chemisch synthetische Pestizide und den geringeren Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung machen das System des Ökolandbaus zum Vorbild für eine umweltgerechte Landbewirtschaftung und Tierhaltung. Durch den Anbau mehrerer verschiedener Kulturen und die Beikrautregulierung ohne Ackergifte wachsen auf Bioackerflächen deutlich mehr Wildkrautarten als auf vergleichbaren konventionellen Flächen. Damit bieten die Ökoflächen auch mehr Lebensraum für Insekten und die Tiere der Feldflur. Auch im Bereich des Klimaschutzes kann der Ökolandbau punkten. So belegt eine Metastudie aus 74 Studien aus aller Welt, dass die Kohlenstoffvorräte in biologisch bewirtschafteten Böden um durchschnittlich 3,5 t/ha höher sind als in konventionell bewirtschafteten. Bio-Böden können bis zu 450 kg mehr atmosphärischen Kohlenstoff je Hektar und Jahr speichern und emittieren flächenbezogen weniger Lachgas als konventionell bewirtschaftete Böden. Ökologisch bewirtschaftete Böden weisen wegen ihres höheren Humusgehaltes auch eine etwa doppelt so hohe Infiltrationskapazität auf wie konventionell bewirtschaftete, und können damit Hochwasserereignisse abpuffern. „Auf europäischer Ebene müssen im Zuge der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik jetzt die Weichen für eine umweltgerechtere Landwirtschaft und Tierhaltung gestellt werden. Innerhalb des europäischen Rahmens ist dann der Freistaat Bayern gefordert, seine Agrarpolitik noch stärker an den Belangen einer bäuerlich strukturierten, ökologischen Landwirtschaft auszurichten“, fordert Hubert Weiger, Vorsitzender des BN.

BioRegio wirkt und kann noch mehr erreichen

Aus Sicht von LVÖ und BN hat die Initiative BioRegio Bayern 2020 mit gezielten Maßnahmen in den Bereichen Bildung, Beratung, Forschung, Förderung und Markt wichtige Impulse gesetzt und Verbesserungen eingeleitet. Das große Potenzial des Ökolandbaus für Bayern ist jedoch noch bei Weitem nicht ausgeschöpft, da die Nachfrage nach heimischen Bio-Produkten noch immer größer ist als das Angebot. „Um die Erfolge der letzten Jahre dauerhaft zu sichern und das Potenzial auszuschöpfen, sind strukturelle Veränderungen in allen Bereichen, in denen der Freistaat Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten hat, notwendig“, betont Josef Wetzstein, erster Vorsitzender der LVÖ Bayern. „Die aktuelle Bedeutung des ökologischen Landbaus - rund 9000 landwirtschaftliche Betriebe in Bayern wirtschaften bereits ökologisch – und die politische Zielsetzung zu seiner Ausdehnung, müssen sich auch in der Verteilung der staatlichen Ressourcen angemessen widerspiegeln“, so Wetzstein weiter.

Ganzheitliche Politik für nachhaltige Landwirtschaft

Für BN und LVÖ ist der ganzheitliche Ansatz der Initiative BioRegio Bayern 2020 wegweisend für die zukünftige Ausrichtung der Unterstützungsmaßnahmen für den ökologischen Landbau. Neben der Flächenförderung spielen eine Vielzahl weiterer Maßnahmen und Faktoren eine Rolle für die Attraktivität einer Umstellung. So sind Forschung, Bildung und Wissenstransfer von großer Bedeutung für den weiteren Ausbau des ökologischen Landbaus. Nach Ansicht der LVÖ sollten Grundlagen des Ökolandbaus verpflichtender Bestandteil der Prüfungen für Auszubildende in der Landwirtschaft sein. Mit der Einrichtung einer dritten Fachschule für Ökolandbau mit einem Schwerpunkt auf Sonderkulturen könnte ein wichtiger Beitrag zur Linderung des Fachkräftemangels in diesem Bereich geleistet werden. Dies gilt auch für eine Stärkung der Lehre an den Hochschulen in diesem Bereich. Mit der Weiterentwicklung des BioRegio-Betriebsnetzes zu einem Praxisforschungsverbund ließen sich die praxisnahe Forschung und der Wissenstransfer zu Fragendes ökologischen Landbaus voranbringen. Der ganzheitliche Ansatz der Initiative BioRegio 2020 wird auch im bayerischen Ökopakt deutlich, in dem sich aktuell 22 Organisationen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen für die Ziele der Initiative einsetzen. „Es ist an der Zeit, gemeinsam mit den anderen Akteuren des Ökopakts Bilanz über das bisher Erreichte zu ziehen, Ziele zu schärfen und weitere Gruppen für das Engagement zu gewinnen“, stellt Wetzstein fest. „Besonders im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung und der Beschaffung kann der Einsatz von Bio-Produkten noch deutlich gesteigert werden – der Staat sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen“, fordert Hubert Weiger im Namen des BN. Der gute Ansatz des Landwirtschaftsministeriums, in interessierten Gebietskörperschaften Öko-Modellregionen einzurichten und dort mit Hilfe von Ökomanagern Impulse für die regionale Biovermarktung und Verbraucheraufklärung zu setzen, muss auch nach Auslaufen der jeweils 5 jährigen Anschubförderung weiter verfolgt werden, sind sich BN und LVÖ einig.